D A Z W I S C H E N

Man soll sich nicht scheuen, in Bildern zu denken, was sich in Worte nicht fassen lässt.


Erinnerungen sind verschwommene Vorstellungen, in denen nichts richtig klar sichtbar erscheint. Sie liegen irgendwo im Raum zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit.


 

 

 

 

 

 

Die Wintermorgen sind wie aus Stahl. Ihr Geschmack ist metallisch und ihre Kanten sind scharf. Mittwochs, im Januar, um sieben Uhr morgens merkt man, dass die Welt nicht für den Menschen geschaffen wurde, und ganz gewiss nicht zu seinem Vergnügen und seiner Bequemlichkeit.

 

Olga Tokarczuk,

Der Gesang der Fledermäuse

 


 

 

 

 

 

Früher sass ich in Fahrtrichtung, hungrig, alles zuerst zu sehen, was kam. Später sass ich gegen die Fahrtrichtung, um von allem Abschied zu nehmen, was ging. Heute springe ich hin und her und geniesse das Dazwischen.

 

Roger Willemsen, Momentum


 

 

 

 

Alle machten sich vom Acker. Nichts hatten sie begriffen. Wer die Welt verstehen wollte, musste zu Hause damit anfangen. In der Heimat. Unserer Heimat. Von Kap Arkona bis zum Fichtelberg. Abhauen war ja keine Kunst. Das hatten sie immer den anderen überlassen … Die Welt war entdeckt, die meisten Arten bestimmt. Man konnte getrost zu Hause bleiben.

 

Judith Schalansky, Der Hals der Giraffe


 

 

 

 

Zu reisen verlangt die Bereitschaft, sich einem Risiko auszusetzen, und wir tun es, weil Fremdheit zwar bedrohlich, aber gleichzeitig verlockend ist. Nur wer die Angst bezwingt und das Bedürfnis nach vertrauter Umgebung suspendiert, wird den Gewinn geniessen, den wir uns vom Reisen erhoffen.

 

Stephan Thome,

Warum wir reisen müssen


 

 

 

 

 

Eine Stadt am Wasser, eine Stadt der Menschen, von Menschen und Wasser erdacht und geschrieben. Eine Stadt vieler Zeiten und eine Stadt in der Zeit. Eine Stadt, die es zweimal gibt, sichtbar und unsichtbar, aus Stein und Holz und Wasser und Glas und ausserdem aus noch etwas, das sich in Worten nicht benennen lässt.

 

Cees Nooteboom,

Die Dame mit dem Einhorn


 

 

 

 

Eines kann ich dir sagen, dieser Ort gehört zu keiner Welt, in der du oder ich jemals gelebt oder gewirkt hätten. Er ist Teil unserer Traumwelt … Ich habe immer noch nicht das Gefühl, wieder ganz in der Realität zurückgekehrt zu sein.

 

George Bernard Shaw,

Brief an Barry Jackson


 

 

 

 

 

 

 

Vom Rausch der Geschwindigkeit gepackt und immer kurz vor dem Umkippen, raste und ratterte der verstörte und ungelenke Zug dahin, fuhr in einen Tunnel hinein, stiess einen Schreckensschrei aus, während der Dampf die Fensterscheiben weiss färbte, und ein Pandämonium quietschenden Eisens und schwitzender Wände brach los, und dann erschienen plötzlich wieder die Landschaft und das friedliche Grün.

 

Albert Cohen, Die Schöne des Herrn